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der Zentralstelle KDV

Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt - drohender Krieg kein Grund!

05.02.2003 - Peter Tobiassen - Telefon: 0421/340025 Mobil: 0171/5081394

Jahr für Jahr verweigern in Deutschland mehr junge Männer den Wehrdienst. Die Zahlen gingen seit Jahren kontinuierlich nach oben, sagt der Geschäftsführer der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer (KDV), Peter Tobiassen, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Grund seien nicht generelle Kriegsangst oder der drohende Irak-Krieg. «Unsere Gesellschaft ist ziviler geworden.» Eine militärische Option sei für viele keine Handlungsoption mehr.

2002 verweigerten knapp 190 000 Männer den Dienst an der Waffe, rund 7000 mehr als im Jahr zuvor. «Es verweigern fast 40 Prozent der tauglich gemusterten Männer inzwischen den Wehrdienst», sagt Tobiassen. Er glaubt, dass das Verhältnis bis auf 50:50 steigen wird. «Das ist eine Absage an die allgemeine Wehrpflicht.»

Der drohende Irak-Krieg spiele zwar in Beratungsgesprächen eine Rolle, «ist aber nicht ausschlaggebend», sagt Tobiassen, der inzwischen seit 25 Jahren in der Zentralstelle KDV für die Rechte der Verweigerer kämpft. Insofern registriere die Zentralstelle aus diesem Grunde keinen erhöhten Beratungsbedarf. «Kriegsdienst zu verweigern wird weniger durch politische Entwicklungen beeinflusst.» Vielmehr dienten Ersatzdienst-Erfahrungen von Freunden und Bekannten oft als Entscheidungshilfe. «Das ist eine Art Schneeballeffekt.» Seit 1970 hätten sich die Anträge verzehnfacht.

Die Gründe für eine Verweigerung haben sich nach seinen Erfahrungen in all den Jahren nicht geändert. «Das Totschießen von Menschen im Krieg ist die alles entscheidende Frage.»

 
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