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der Zentralstelle KDV

Landesbischöfin kritisiert Wehrungerechtigkeit

23.02.2007 - Peter Tobiassen - Telefon: 04453/9864888 Mobil: 0171/5081394

Hannover/Bremen (epd). Die Wehrpflicht lässt sich nach Auffassung der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann nicht mehr gerecht organisieren. Wenn von über 400.000 Männern eines Jahrganges nur noch rund 60.000 für den Wehrdienst benötigt würden, sei das nicht gerecht, kritisierte die Präsidentin der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer am Donnerstag in einem epd-Gespräch. "Das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes ist nicht mehr zu erfüllen."

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte angekündigt, er wolle die Zahl der Stellen für Grundwehrdienstleistende um 5.000 auf 35.000 aufstocken, um "die Wehrgerechtigkeit zu stabilisieren". Käßmann hielt dem entgegen, die Wehrpflicht sei nicht zukunftsfähig und eine teure Form der Militärorganisation. "Die Ökonomen der Bundeswehr gehen davon aus, dass eine Freiwilligen-Bundeswehr bei gleicher Leistungsfähigkeit wie die heutige Wehrpflichtarmee mindestens 1,5 Milliarden Euro günstiger ist."

Ungerecht ist Käßmann zufolge auch die Einberufungspraxis von Grundwehrdienst- und Zivildienstpflichtigen. Da nur knapp die Hälfte der Tauglichen verweigere, dürften sie bei einer gerechten Einberufungsverteilung auch nur knapp die Hälfte der Einberufenen stellen. "Tatsächlich werden aber rund 60.000 zum Wehrdienst und rund 85.000 zum Zivildienst einberufen. Das ist nach dem Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes verboten."

Käßmann ist seit 2003 Präsidentin der Zentralstelle, die Anfang März ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Die Einrichtung war lange in Bremen ansässig und arbeitet jetzt im niedersächsischen Bockhorn bei Wilhelmshaven. Sie ist nach eigenen Angaben als gemeinsame Organisation von 26 Verbänden die zentrale Anlaufstelle für Fragen zur Kriegsdienstverweigerung, zum Zivildienst und zur Wehrpflicht. Sie berät jährlich rund 10.000 Menschen und setzt sich für eine uneingeschränkte Anwendung des Grundrechtes auf Kriegsdienstverweigerung ein. (Internet: www.zentralstelle-kdv.de)

(epd Niedersachsen-Bremen/b0493/22.02.07)
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