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der Zentralstelle KDV

Wehrpflicht macht junge Männer arbeitslos

17.02.2003 - Peter Tobiassen - Telefon: 0421/340025 Mobil: 0171/5081394

Unter 25jährige Männer sind mehr als anderthalb Mal so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen wie Frauen in der gleichen Arbeitsgruppe. Aber offensichtlich sind den Wehrpolitikern und Wehrbehörden die zivilen Probleme und Nöte der Wehrpflichtigen egal. Der Vorsitzende der Zentralstelle KDV, Ulrich Finckh, fordert in einem Leserbrief als wichtigsten ersten Schritt die Änderung des Einberufungszeitraumes.

Der Wortlaut des Leserbriefes: "Sie berichten für Hessen: „Vor allem die Gruppe der 20 bis 25 Jährigen ohne Arbeit hat zugelegt, junge Männer mit und ohne Ausbildung zumeist ...“ Ähnliches gilt im ganzen Bundesgebiet. In dieser Altersgruppe – und nur in ihr – sind Männer stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen, über anderthalbmal so oft und von Monat zu Monat schlimmer. (Die Arbeitslosenzahlen der unter 25jährigen für Januar 2003: Bundesrepublik gesamt: 549.562, davon Männer: 352.478, Frauen: 197.084, Zunahme gegenüber Vormonat: gesamt 61.284 (Männer: 45.324, Frauen 15.960), Zunahme gegenüber Vorjahresmonat: 47.135 (Männer: 31.420, Frauen: 15.715).

Eigentlich haben es Frauen wegen des „Schwangerschaftsrisikos“ schwerer, Arbeit zu finden. Doch unter 25 gibt es für Männer ein besonderes Risiko, die Wehrpflicht. Die Bundeswehr wird kleiner und beruft immer weniger Wehrpflichtige ein. Wer nicht einberufen wird, erhält jedoch keine Absage, sondern bleibt einberufbar, bis er 25 wird. Die Folge bei der Arbeitssuche: „Haben Sie gedient?“ „Nein.“ „Können Sie noch einberufen werden?“ „Ja.“ Damit ist in der Regel klar: Der Arbeitgeber nimmt einen anderen Bewerber, bei dem er nicht fürchten muss, dass dieser einberufen wird und ihm sein Arbeitsplatz neun oder mehr (maximal 23) Monate freigehalten werden muss.

Die Zentralstelle KDV hat – bisher ohne Erfolg – vorgeschlagen, diese Malaise dadurch zu beenden, dass den Wehrbehörden ab Verfügbarkeit des Wehrpflichtigen nur ein Jahr für die Einberufung bleiben soll. Ist das Jahr vorbei, könnte der nicht Einberufene sich ohne Einberufungsrisiko um Arbeit bemühen. Da ständig mehr Männer gemustert werden als die Bundeswehr braucht, kann das keine Probleme machen. In die Computer der Kreiswehrersatzämter müsste nur statt des 25. Geburtstages das Ende dieses Jahreszeitraumes eingegeben werden. Aber offensichtlich sind den Wehrpolitikern und Wehrbehörden die zivilen Probleme und Nöte der Wehrpflichtigen egal.

Nach der Koalitionsvereinbarung soll die Bundeswehrreform im Sinne der Weizsäcker-Kommission fortgeführt werden. Das bedeutet starke weitere Verkleinerung. Außerdem sollen die Einberufungsquoten des Zivildienstes denen der Bundeswehr angepasst werden. Beides wird die Situation noch dramatischer machen. Wer die hohe Arbeitslosigkeit junger Männer bekämpfen will, muss die Wehrpflicht beenden oder mindestens die Zeit der Einberufbarkeit radikal begrenzen. Dass das geht, beweist Dänemark. Dort erlaubt das Einberufungsfenster ab Beginn der Verfügbarkeit nur sechs Monate für die Einberufung zu Wehr- und Ersatzdienst. Die wichtigsten NATO-Partner haben die Wehrpflicht ganz ausgesetzt."
Ulrich Finckh (Pfarrer i.R., Vorsitzender der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen e.V. und Mitglied im Beirat für den Zivildienst im Familienministerium)

(Leserbrief zu „Fast 30.000 junge Menschen ohne Arbeit“, FR vom 15.2.2003, Seite 25)

 
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