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der Zentralstelle KDV

Kriegsdienstverweigerer werden klüger

Mehr Musterungen, weniger Taugliche, weniger Kriegsdienstverweigerer

17.03.2009 - Dr. Werner Glenewinkel - Telefon: 04453/9864888 Mobil: 0171/5081394

Zu den inzwischen bekannt gewordenen Zahlen zu Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung im vergangenen Jahr erklärt der Vorsitzende der Zentralstelle KDV, Dr. Werner Glenewinkel:

Die Zahl der abgeschlossenen Musterungen ist von 451.000 (2007) auf 456.000 (2008) gestiegen. Gleichzeitig sank aber die Zahl der mit dem Ergebnis „tauglich“ Gemusterten von 248.000 (2007) auf 243.000 (2008). Die politisch vorgegebene (und wohl gewollte) Willkür der Ausmusterungen ist also 2008 noch größer geworden.

Die Zahl der KDV-Anträge ist von 161.448 (2007) auf 156.248 (2008) gesunken. Die Zahl der anerkannten Kriegsdienstverweigerer ist ebenfalls von 111.740 (2007) auf 106.717 (2008) gesunken. Die geringere Zahl der Kriegsdienstverweigerungsanträge zeigt, dass immer mehr Wehrpflichtige abwarten, ob sie überhaupt tauglich gemustert und anschließend einberufen werden. Wie die nachfolgenden Zahlen zu den Einberufungen zeigen, ist ein solches Verhalten nur als klug zu bezeichnen.

2008 wurden
- insgesamt 92.457 Kriegsdienstverweigerer zu einem Dienst herangezogen. 85.149 von diesen traten den Zivildienst an, 6.214 ein Freiwilliges Jahr anstelle des Zivildienstes und 1.094 einen so genannten "Anderen Dienst im Ausland“.
- 57.844 Wehrpflichtige zum neunmonatigen Grundwehrdienst und 9.820 auf eigenen Wunsch zum freiwillig verlängerten Wehrdienst, insgesamt also 67.664 Wehrpflichtige zur Bundeswehr einberufen.

Obwohl deutlich weniger als die Hälfte der tauglich Gemusterten erfolgreich verweigert, müssen rund 25.000 mehr Kriegsdienstverweigerer als Wehrpflichtige einen Dienst leisten. Die Bundesregierung organisiert damit nicht nur eine grobe Wehrungerechtigkeit, sondern fördert auch eine Ungerechtigkeit zwischen den Diensten. Wer verweigert, muss mit einer Heranziehung zum Dienst rechnen, während derjenige, der nicht verweigert, eine fast 50-prozentige Chance hat, keinen Dienst leisten zu müssen.

Die Zentralstelle KDV sieht sich durch diese Zahlen bestätigt, auch weiterhin allen Wehrpflichtigen zu raten, den Kriegsdienst mit der Waffe erst dann zu verweigern, wenn eine konkrete Einberufung zum Grundwehrdienst erfolgt. Zurzeit leisten 25.000 Zivis einen Zivildienst als Ersatz für gar nichts, nur weil sie zu früh verweigerten.

 
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