Presseinformationens-Archiv
der Zentralstelle KDV

Der Wegfall des Zivildienstes muss nicht schrecken

16.10.2009 - Peter Tobiassen - Telefon: 04453/9864888 Mobil: 0171/5081394

Zum Stand der Koalitionsverhandlungen erklärt der Geschäftsführer der Zentralstelle KDV, Peter Tobiassen:
Wenn mit der Aussetzung der Wehrpflicht auch der Zivildienst wegfällt, muss das niemanden unruhig machen. Alle sozialen Dienstleistungen, die bisher durch Zivildienstleistende erbracht wurden, können genauso gut und kostenneutral auf anderem Wege erbracht werden.

Nach den Ergebnissen der vorletzten Shell-Jugendstudie haben rund 17 % eines Jahrgangs ein großes Interesse, ein freiwilliges Jahr zu leisten. Bei rund 800.000 Angehörigen eines Jahrgangs sind das mehr als 130.000 Jugendliche. Zurzeit sind im Jahresdurchschnitt rund 65.000 Zivildienstleistende im Dienst. Jede Zivildienststelle könnte also mit einem oder einer Freiwilligen besetzt werden. Vergangene Bundesregierungen haben nur rund 20.000 Stellen im Freiwilligen Jahr gefördert. Die Träger des Freiwilligen Jahres klagen seit langem, dass sie nur jede/n dritte/n BewerberIn einstellen können.

Aber auch der Ersatz der Zivildienstleistenden durch tariflich bezahlte Arbeitskräfte ist kostenneutral möglich. 65.000 Zivildienstleistende können durch gut 40.000 Dauerarbeitskräfte ersetzt werden. Die Tätigkeiten der Zivildienstleistenden können ohne berufliche Vorkenntnisse innerhalb von drei Monaten erlernt werden. Deshalb kommen diese Arbeitsplätze besonders für Menschen in Frage, die keine oder nur eine geringe berufliche Qualifizierung haben. Solche Arbeitsplätze hat der Arbeitsmarkt dringend nötig. Die Kosten, die die Zivildiensteinrichtungen für den Zivildienst aufbringen und die Bundesmittel, die im Haushaltstitel „Bundesamt für den Zivildienst“ eingestellt sind (insgesamt rund 1,1 Milliarde Euro), würden ausreichen, um die Arbeitgeberkosten für die 40.000 Dauerarbeitskräfte zu finanzieren.

Jeder dritte Zivildienstleistende ist inzwischen nicht mehr bei Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände oder freien gemeinnützigen Einrichtungen eingesetzt, sondern bei kommerziellen Dienstleistern im sozialen Bereich. Weit über 20.000 Zivildienstleistende arbeiten vornehmlich zum Wohle der Aktionäre und/oder Firmeninhaber. Die Millionengewinne, die in diesen Firmen gemacht werden, können für die Bezahlung reguläre Arbeitskräfte eingesetzt werden. Hochsubventionierte Zivildienstleistende haben in diesem Bereich eigentlich schon lange nichts mehr zu suchen.

Die Wohlfahrtsverbände und sozialen Einrichtungen in Deutschland sind von Zivildienstleistenden nicht abhängig. In einem Bereich, in dem Millionen von Menschen arbeiten, kann die kostenneutrale Umstrukturierung bei 65.000 Arbeitsplätzen kaum Schwierigkeiten machen. Zudem haben die Verbände wegen der langen Diskussion um die Wehrpflicht längst Ausstiegpläne in den Schubladen.

Der Ausstieg aus der Wehrpflicht ist aus der Sicht des Zivildienstes also problemlos möglich.

 
Impressum