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der Zentralstelle KDV

Hintergrund: Auswirkungen der Dienstzeitverkürzung im Sozialbereich

23.10.2009 - Peter Tobiassen - Telefon: 04453/9864888 Mobil: 0171/5081394

Zur Diskussion um die Auswirkungen der Verkürzung der Wehrdienstdauer auf den Sozialbereich gibt der Geschäftsführer der Zentralstelle KDV, Peter Tobiassen, folgende Hintergrundinformationen:

Eine Verkürzung der Zivildienstdauer auf sechs Monate wird im Sozialbereich praktisch keine Auswirkungen haben.

In den Bereichen, in denen Zivildienstleistende tätig sind, arbeiten schätzungsweise rund 3,5 Millionen hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 65.000 davon sind Zivildienstleistende. Das sind 1,8 % aller Beschäftigten. Diese 65.000 Stellen werden aber nicht gestrichen, sondern die Beschäftigungsdauer dieser Mitarbeiter von neun auf sechs Monate verkürzt.

Rechnerisch bedeutet die Verkürzung der Dienstdauer von neun auf sechs Monate, dass statt 65.000 Dienststellen im Jahresdurchschnitt zukünftig rund 43.000 Zivildienstplätze besetzt sein werden. Würden die Stellen ersatzlos gestrichen werden, würde der Sozialbereich 0,5 % der Beschäftigten verlieren. Damit ist aber nicht zu rechnen.

Wegfallende Zivildienstplätze werden leicht durch Plätze des Freiwilligen Jahres ersetzt werden können. Hier kamen bisher auf jeden angebotenen Platz drei Bewerberinnen und Bewerber. Da die Freiwilligen im Durchschnitt zwölf Monate in den Einrichtungen mitarbeiten, würde sich für die Einrichtungen die Umstrukturierung sogar positiv auswirken. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Freiwilligen Jahres sind deutlich länger in den Einrichtungen als Zivildienstleistende.

Im Bundeshaushalt Zivildienst führt die beabsichtigte Dienstzeitverkürzung zu Einsparungen in Höhe von 170 Millionen Euro. Dieses Geld kann eingespart, aber auch in den Haushaltstitel zur Förderung des Freiwilligen Jahres (bisherige Bundesförderung dort: 19 Millionen Euro) umgeschichtet werden.

Im Zivildienst wird sich indes wenig ändern. Dort, wo längere Einsatzzeiten nötig sind, werden Zivildienstleistende durch Helferinnen und Helfer im freiwilligen Jahr ersetzt. Dort, wo Zivildienstleistende schon bisher auf Handlangerdienste reduziert waren, wird mit der kürzeren Dienstzeit genauso gut gearbeitet werden können wie mit den heutigen neun Monaten. Profitieren werden von der Dienstzeitverkürzung im Zivildienst diejenigen jungen Menschen, die bisher keinen Platz im Freiwilligen Jahr finden konnten.

Meldungen der Bild-Zeitung wie "Ihre Sorge: Dann muss auch der Zivildienst verkürzt werden. Die Sozialverbände warnen davor. VdK-Chefin Ulrike Mascher zu BILD: ‚Eine solche Entscheidung würde viele soziale Einrichtungen in Schwierigkeiten bringen - da entsteht eine Lücke.' Krankenhäuser, Rettungsdienste oder Sozialstationen müssten einen personellen Aderlass verkraften." sind blanker Unsinn.

 
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