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der Zentralstelle KDV

Nur noch 50,7 % taugliche Männer

06.08.2010 - Peter Tobiassen - Telefon: 04453/9864888 Mobil: 0171/5081394

Die Zahl der tauglich gemusterten Wehrpflichtigen sinkt weiter. Waren im letzten Jahr noch 54,2 % der jungen Männer wehrdienstfähig, so sank der Anteil im ersten Halbjahr dieses Jahres auf 50,7 %. Vor zehn Jahren wurden lediglich 12 % ausgemustert.

Diese Entwicklung hat nichts mit der tatsächlichen Gesundheit der untersuchten 17- bis 21-Jährigen zu tun, sondern ist das Ergebnis einer willkürlich veränderten Musterungspraxis. Die hohe Ausmusterungsquote ist politisch motiviert, um Wehr-Ungerechtigkeit zu verschleiern. Je mehr ausgemustert werden, desto höher der Schein der "Wehrgerechtigkeit" - so die Hoffnung der Politik. Dafür müssen inzwischen viele fadenscheinige Gründe herhalten: Eine Sellerieallergie führt heute ebenso zur Befreiung vom Wehrdienst wie der Konsum weicher Drogen oder eine Zahnspange.

Wer in der aktuellen Debatte das Festhalten an der Wehrpflicht fordert, muss auch die Frage nach Herstellung der Wehrgerechtigkeit überzeugend und schlüssig beantworten. Diese Antwort ist bisher ausgeblieben. Deshalb kann es unter dem Aspekt der Wehrgerechtigkeit nur eine Lösung geben: Verzicht auf die Wehrpflicht.

Das Bundesverfassungsgericht hat schon 1978 entschieden: "Die allgemeine Wehrpflicht ist Ausdruck des allgemeinen Gleichheitsgedankens. Ihre Durchführung steht unter der Herrschaft des Artikels 3 Absatz 1 Grundgesetz."

Die Zahlen: Im ersten Halbjahr 2010 wurden 212.681 Musterungsverfahren abgeschlossen, 107.929 (= 50,7 %) mit dem Ergebnis wehrdienstfähig. 2009 wurden 417.300 Verfahren abgeschlossen, 226.290 (= 54,2 %) mit dem Ergebnis wehrdienstfähig.

 
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