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der Zentralstelle KDV

Viermonatiger Wehrdienst stellt keine Wehrgerechtigkeit her

04.03.2003 - Ulrich Finckh - Telefon: 0421/340025 Mobil: 0171/5081394

Zum Vorschlag einer Wehrpflicht von vier Monaten Dauer erklärt der Vorsitzende der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer, Ulrich Finckh

Der Vorschlag eines Mini-Wehrdienstes wird nicht dafür sorgen, dass die fehlende Wehrgerechtigkeit wieder hergestellt wird. 30.000 Dienstposten mit einer viermonatigen Dienstdauer ermöglichen 90.000 Einberufungen bei mindestens 170.000 Verfügbaren pro Jahr. 80.000 pro Jahr können auch dann nicht einberufen werden.

Ein Mini-Wehrdienst wäre militärisch sinnlos und nach Ansicht der Weizsäcker-Kommission verfassungswidrig (Seite 63 des Berichts vom 23.5.2000). Sie hat festgestellt, dass selbst ein sechs Monate dauernder Grundwehrdienst zur Verteidigung ungeeignet und deshalb durch die Erlaubnis einer Wehrpflicht im Grundgesetz nicht gedeckt wäre.

Dem Mini-Wehrdienst würden Mini-Ersatzdienste entsprechen, die sinnlos sind. Zivildienstleistende würden in den sozialen Einrichtungen zu zwangsrekrutierten Viermonatspraktikanten. Ein halbierter Katastrophenschutzdienst würde der seit dem 11.9.2001 geforderten Qualifizierung Hohn sprechen.

Der hilflose Sparversuch zeigt, wie sinnlos das ideologische Festhalten am Zwangsdienst ist. Einer freiheitlichen Demokratie entspricht kein Zwangsdienst, sondern freiwilliges Tun. Das muss durch angemessene Entlohnung, vernünftige Ausstattung, verantwortliche Mitbestimmung und gesellschaftliche Würdigung gefördert werden.

 
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