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der Zentralstelle KDV

Wehr- und Zivildienst machen arbeitslos

Anfragen aus der 45. Kalenderwoche

04.11.2004 - Peter Tobiassen - Telefon: 04453/9864888 Mobil: 0171/5081394

Am 13.11.2004 will die Sozialdemokratische Partei Deutschlands auf einem Fachkongress über die Zukunft der Wehrpflicht beraten. Welche Fragen und Sorgen haben aber die Wehr- und Zivildienstpflichtigen? Hier eine kleine Auswahl der Anfragen, die die Zentralstelle KDV in der 45. Kalenderwoche erreichten:

Thomas Schmidt*, Frankfurt: Ich habe bei meiner Musterung verweigert und muss nun 9 Tage vor meinem 23. Geburtstag den Zivildienst antreten. Ich habe einen Zeitarbeitsvertrag, der in zehn Monaten, also mit dem Ende des Zivildienstes ausläuft. Mein Chef hat einen UK-Antrag gestellt, aber die Handelskammer hat geantwortet, dass es einige hundert Arbeitslose mit meiner Berufsausbildung gibt. Deshalb ist eine Unabkömmlichstellung nicht möglich, weil mein Arbeitsplatz sofort mit jemand anderem besetzt werden kann. Für mich bedeutet das, dass ich nach dem Zivildienst zu 100% arbeitslos bin. Was mich zudem noch ärgert, dass ich in einer Privatklinik (eine GmbH und Co KG) den Laufburschen für die Privatpatienten machen soll (Einkäufe erledigen, Zeitungen holen, frisch gepressten Obstsaft bringen etc.) Ist so etwas als Zivildienst eigentlich erlaubt?

Dieter Peschel*, Berlin: Ich eröffne nach monatelanger Planung am 8.11. einen PC-Reparatur-Laden, bin also als Selbständiger tätig. Habe aber meinen Wehrdienst noch nicht abgeleistet. War jedoch schon bei der Musterung (12.9.04) und wurde wehrdienstfähig gemustert. Und muss am 12.11. zum Eignungstest. Nun meine Frage: Welche Möglichkeiten hätte ich noch, den Wehrdienst zu umgehen, da ich - falls ich zum Bund müsste - das Geschäft schließen müsste und dann in immensen finanziellen Problemen stecken würde. Danke im voraus für jeden noch so kleinen Tipp.

Claus Singe*, Köln: Ich bin seit 2001 als Kriegsdienstverweigerer anerkannt. Meine erste Ankündigung der Heranziehung war zum Juli 2002. Auf Antrag meines Arbeitsgebers wurde ich wegen Unabkömmlichkeit bis Juni 2003 freigestellt. Nach diesem Termin stellt mein Arbeitgeber wiederholt einen Antrag, dem bis zum 31.1.2005 stattgegeben wurde. Nun habe ich eine erneute Ankündigung zur Heranziehung zum 1.2.2005 erhalten. Die Firma, bei der ich beschäftigt bin, ist ein kleines Familienunternehmen in der Elektro-Branche. Sie besteht aus zwei Gesellen und dem Chef. Wenn ich meinen Zivildienst ableisten muss, besteht die Gefahr, dass mein Arbeitgeber mir kündigt, da er mit einem Gesellen die Firma nicht aufrecht erhalten kann und einen ständigen Personalwechsel verkraftet so eine kleine Firma nicht. Ich wäre dann außerdem 9 Monate aus dem Arbeitsleben, d.h. eine ständige weitere Qualifizierung, die in der Branche wegen der ständig veränderten Geräte unabdingbar ist, wäre ebenfalls nicht möglich. Mir ist auch nicht ganz klar, warum Menschen, die in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, der Gefahr der drohenden Arbeitslosigkeit ausgesetzt werden, wo man doch mit Sicherheit auf Menschen, die arbeitslos sind oder keinen Ausbildungsplatz etc. haben zurück greifen könnte. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir einige Hinweise geben könnten, um eine Freistellung vom Zivildienst zu erhalten.

*) Namen, Orte und Daten wurden geändert.


 
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