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der Zentralstelle KDV

Käßmann appelliert an SPD: Wehrpflicht abschaffen

09.11.2004 - Peter Tobiassen - Telefon: 04453/9864888 Mobil: 0171/5081394

Dr. Margot Käßmann, Präsidentin der Zentralstelle KDV, hat in einem epd-Gespräch an die SPD appelliert, die Wehrpflicht abzuschaffen. Sie bekräftigt damit die gemeinsame Aufforderung der Mitgliedsverbände der Zentralstelle KDV.

Der Evangelische Pressedienst schriebt in der heutigen Meldung:

Käßmann appelliert an SPD: Wehrpflicht abschaffen

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die SPD aufgefordert, die Wehrpflicht abzuschaffen. Sie lasse sich nicht mehr gerecht organisieren, wenn nur noch 15 Prozent eines Jahrgangs einberufen würden, erklärte die Präsidentin der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer am Dienstag in einem Gespräch mit dem epd. Die SPD wird am Sonnabend bei einer Fachtagung in Berlin über die "Zukunft der Wehrverfassung" beraten.

Von 444.600 jungen Männern werden im nächsten Jahr nach Angaben der Zentralstelle nur 66.700 zum Wehrdienst einberufen, jedoch 109.000 Zivis. Das verstoße gegen das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag, die Dienstpflichtigen gleich zu behandeln. Den Kriegsdienst verweigerten etwa 40 Prozent der tauglich Gemusterten.

Der Zivildienst ist laut Käßmann auch kein Argument für die Beibehaltung des Wehrdienstes. Sein Wegfall würde soziale Dienste weder verteuern noch verringern. Zivildienstplätze könnten in Ausbildungs- oder Arbeitsplätze umgewandelt oder durch Freiwillige besetzt werden. Die Präsidentin der Zentralstelle forderte einen Ausbau des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) mit Hilfe der bisherigen Zivildienstgelder. Etwa 100.000 junge Menschen wären dazu bereit, schätzte sie. Schon jetzt hätten 17 Prozent der jungen Frauen Interesse, aber nur für zwei Prozent gebe es Plätze im FSJ.

"Ein soziales Pflichtjahr für alle halte ich für eine Schnapsidee", sagte Käßmann. Pflegebedürftige könnten nicht von Zwangsverpflichteten versorgt werden. Das sei bei 800.000 jungen Menschen pro Jahrgang auch nicht zu organisieren und würde die langen Ausbildungszeiten zusätzlich verlängern. Ohnehin erbrächten Frauen bereits über 90 Prozent der Leistungen in Erziehung und Pflege.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3258/09.11.04)

Die gemeinsame Aufforderung von 25 Verbänden an die SPD:
www.zentralstelle-kdv.de/presse53.htm)

 
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