KDV-Aktuell 2/98 vom 15. Juni 1998

1. Erläuterungen zu Lebenslauf, Begründung und Führungszeugnis
2. Rückfragen des Bundesamtes für den Zivildienst im KDV-Verfahren
3. Mehr Sold und Mobilitätszuschlag / Soldgruppe 3
4. Rühe gibt unabhängiger Justiz Weisung
5. Einberufungsermessen bei „Lebenälteren" eingeschränkt
6. Zivildienst und Auto-Kredite
7. Essensgeldauszahlung im Fastenmonat Ramadan
8. Krank aus dem Zivildienst entlassen
9. Zivildienst-Zahlen Februar 1998


1. Erläuterungen zu Lebenslauf, Begründung und Führungszeugnis

Bitte beachten Sie, daß die Ausschüsse für Kriegsdienstverweigerung angewiesen sind, die KDV-Verfahren mit größter Beschleunigung durchzuführen. Es ist deshalb nötig, die Kriegsdienstverweigerer bei der Erarbeitung der Unterlagen zu unterstützen und gegebenenfalls zu helfen, daß sie fehlende Unterlagen schnell nachreichen.

Der Ausschuß für Kriegsdienstverweigerung beim Kreiswehrersatzamt München erläutert den Antragstellern, welche Erwartungen er an die schriftlichen Unterlagen hat. Diese Erwartungen sind an einigen Stellen entgegen der Rechtsprechung deutlich überzogen (Bescheinigungen, „schwere Gewissensnot", „absolute Ablehnung jeglicher Gewaltanwendung"), dennoch geben die Erläuterungen für BeraterInnen und Beistände gute Hinweise, wie die schriftlichen Unterlagen aussehen sollten, damit eine Entscheidung nach Aktenlage möglich werden kann.

Wichtig ist nach wie vor, daß alle Unterlagen nachgereicht werden können. Mit der Antragstellung sollte nie gewartet werden, wenn die Kriegsdienstverweigerungs-Entscheidung getroffen ist. Je früher der Antrag (auch schon ohne Lebenlauf, Begründung und Führungszeugnis) gestellt ist, umso schneller kann der Soldat die Bundeswehr wieder verlassen.

1. Ausführlicher LebensIauf:

Ein Lebenslauf im Sinne des § 2 Abs.2 KDVG soll stichpunktartig darstellen, wer Sie sind und wie Sie sich zu dieser Persönlichkeit entwickelt haben. Sie sollen daher nicht nur ohne zeitliche Lücken die wesentlichen Abschnitte Ihres bisherigen Lebens aufzeigen (Schul- und Berufsausbildung, berufliche oder sonstige Tätigkeiten und Aufenthalte), sondern darüber hinaus auch Angaben über das persönliche Umfeld machen in dem Sie aufgewachsen sind und in dem Sie derzeit leben (Eltern und Geschwister sowie sonstige, Sie prägende Personen, Erlebnisse und Lebensumstände, Religionszugehörigkeit usw.) Ferner sollen Sie mitteilen, welche Tätigkeiten (Hobbies, Mitwirkung in Vereinen und sonstigen Vereinigungen usw.) Sie in Ihrer Freizeit ausüben oder ausgeübt haben (ggf. in welchem Zeitraum und warum jetzt nicht mehr. Zur Gaubhaftmachung Ihrer Angaben insbesondere über religiöse, caritative oder sonstige gemeinschaftsbezogene und uneigennützige Aktivitäten, sollen Sie Bescheinigungen hierfür vorlegen.

2. Persönliche, ausführliche Darlegung der Beweggründe für lhre Gewissensentscheidung

Mit dieser Darlegung sollen Sie angeben, wie und warum sich ihr Gewissen dahin entwickelt hat, daß Sie den Kriegsdienst mit der Waffe zutiefst ablehnen und welche seelischen Auswirkungen ein Verstoß gegen diese Entscheidung Ihrer Meinung nach bei Ihnen verursachen würde.

Der Begriff „Persönliche Darlegung" bedeutet hierbei, daß es nicht genügt, daß Sie allgemein die Ablehnung von Kriegen durch Aufzeigen ihrer schrecklichen Auswirkungen usw. begründen, sondern daß Sie darstellen, welche Einflüsse, Erlebnisse und Ereignisse in Ihrem Leben maßgeblich für diese Gewissensentscheidung waren. Dies bedeutet daß Sie persönliche Erfahrungen schildern sollen (z.B. eventuelle frühere Verstöße gegen Ihr Gewissen, Erlebnisse mit Gewalt, Tod oder Leid), aus denen Sie schließen. daß ein Verstoß gegen diese Gewissensentscheidung Sie in eine schwere Gewissensnot stürzen würde und wie sich diese bei Ihnen zeigen bzw. auswirken würde. Die bloße Wiedergabe von Musterbegründungen genügt daher nicht.

Ausführlich" bedeutet, daß Ihre Darlegung so umfangreich und konkret ist, daß sie von den Mitgliedern des Ausschusses, die Sie in der Regel nicht persönlich kennen werden, nachvollzogen werden können.

Darüber hinaus sind Angaben zu folgenden Fragen erforderlich:

Wenn Sie bereits einen Einberufungsbescheid oder dessen Ankündigung erhalten haben, sollten Sie angeben, weshalb Sie nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt ihren KDV-Antrag gestellt haben, insbesondere alsbald nach Erhalt des Musterungsbescheides mit dem Ihnen Ihre Wehrdienstfähigkeit mitgeteilt wurde, so daß Sie bereits damals Anlaß dazu gehabt hätten, über die Frage der Wehr- bzw. Kriegsdienstleistung nachzudenken und sich dazu gegenüber Ihrem Kreiswehrersatzamt schriftlich zu äußern. Wenn Sie bereits Soldat sind oder waren, soIIten Sie angeben, weshalb Sie zunächst bereit waren, Soldat zu sein und welche Umstände und Erlebnisse seither eine Änderung Ihrer Einstellung zum Kriegsdienst hin zur Kriegsdienstverweigerung (KDV) bewirkt haben.

Falls Sie sich als Zeit- oder Berufssoldat beworben haben und Sie entweder von der Bundeswehr als solcher nicht übernommen wurden oder Ihre Bewerbung zurückgezogen haben, sollten Sie angeben, was der Grund Ihrer Bewerbung war, wie Sie zu diesem Zeitpunkt zum Wehr- bzw. Kriegsdienst eingestellt waren und weshalb Sie sich zwischenzeitlich gegen den Wehrdienst bzw. für die KDV entschieden haben.

Falls Ihr vorliegender KDV-Antrag nicht Ihr erster war und der/die vorangegangene(n) Antrag/Anträge abgelehnt wurde(n), weil Sie die erforderlichen Unterlagen nicht beigefügt bzw. fristgemäß nachgereicht haben, was auf mangelnde Ernsthaftigkeit der damals behaupteten Gewisscnsensentscheidung hindeutet, sollten Sie zu Ihrem damaligen Verhalten und dazu SteIIung nehmen weshalb Ihrem aktuellen KDV-Antrag eine wirklich ernsthafte Gewissensentscheidung zugrunde liegt und was seit dem vorangegangenen KDV-Antrag eine Änderung oder Vertiefung Ihrer Entscheidung gegen den Kriegsdienst bewirkt hat.

Ferner sollen Sie angeben, ob Sie bewußt für den Fall der Anerkennung als KDV an SteIle des 10monatigen Grundwehrdienstes die 3 Monate längere Dauer des Zivildienstes in Kauf nehmen (faIls Sie nicht bereits 12 oder mehr Monate Wehrdienst abgeleistet haben), welche Tätigkeit im Zivildienst Ihnen ggf. vorschwebt und ob Sie sich bereits bei einer oder mehreren Zivildienststellen erkundigt oder vorgestellt haben, ggf. bei welcher.

Sollte sich in Ihrem Führungszeugnis ein Eintrag über eine Straftat befinden, die sich gegen Körper und Gesundheit einer anderen Person richtete oder diese gefährdete, so müssen Sie darlegen, wie Sie diese Straftat mit Ihrem KDV-Antrag im Einklang bringen, weil eine Gewissensentscheidung gegen den Kriegsdienst die absolute Ablehnung jeglicher Gewaltanwendung, d h. auch außerhalb von Kriegsgeschehen voraussetzt.

Zur Glaubhaftmachung ihrer Angaben sollten Sie, wenn möglich, Bescheinigungen oder Stellungnahmen Dritter beifügen.

3. Führungszeugnis (FüZ) nach § 30 Abs.1 bis 4 des Bundeszentalregistergesetzes:

Das FüZ müssen Sie bei der Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung beantragen, in deren Bezirk sich Ihr Wohnsitz oder in Ermangelung dessen ihr gewöhnlicher Aufenthaltsort befindet. Sie müssen dabei die Form des FüZ beantragen, das Ihnen selbst zugesandt wird. (Belegart „N"). Dies dauert erfahrungsgemäß ca. 3 Wochen nachdem Sie es beantragt haben. Sie müssen das FüZ im 0riginal oder in beglaubigter Fotokopie an den Ausschuß für Kriegsdienstverweigerung weiterleiten.

In Eilfällen, d.h. wenn Sie bereits einen Einberufungsbescheid für einen nahen Einberufungstermin haben oder bereits Soldat sind, können Sie zur Beschleunigung des Verfahrens vorab eine Quittung über die Beantragung des FüZ zusammen mit ihrer schriftlichen Versicherung übersenden, daß in dem beantragten FüZ kein strafrechtlicher Eintrag enthalten sein wird bzw. ggf. welcher. Sofern Sie bereits Soldat sind, sollten Sie gleichzeitig eine beglaubigte Fotokopie des FüZ übersenden, das sich in der Personalakte Ihrer Bundeswehreinheit befindet. In jedem Fall sind Sie verpflichtet, das beantragte FüZ unverzüglich nach Erhalt an den Ausschuß zu übersenden, Auch wenn Sie von diesem zwischenzeitlich schon als KDV anerkannt worden sein sollten. Wenn Sie das FüZ nicht unverzüglich nachreichen, müssen Sie mit dem Widerruf des Anerkennungsbescheides rechnen."



2. Rückfragen des Bundesamtes für den Zivildienst im KDV-Verfahren

In letzter Zeit wurde häufiger über Rückfragen wegen unvollständiger KDV-Begründungen aus dem Bundesamt für den Zivildienst berichtet. Wir haben in Einzelfällen, in denen wir diese Rückfragen nicht nachvollziehen konnten, diese von den Vorgesetzten im Bundesamt für den Zivildienst überprüfen lassen. Dabei wurde unsere Ansicht geteilt, daß die Prüfung der Begründung „wohl etwas übertrieben ausgefallen" sei. Der Kriegsdienstverweigerer wurde anerkannt.

Wenn Sie Rückfragen beobachten, die auf Grund der vorgetragenen - und nach Ihrem Eindruck geeigneten und nachvollziehbaren - Gründe für die Kriegsdienstverweigerung nicht erklärbar sind, sollten Sie sich direkt an den Präsidenten des Bundesamtes für den Zivildienst, 50964 Köln, wenden oder uns informieren, damit wir ggf. eine Überprüfung veranlassen können.


3. Mehr Sold und Mobilitätszuschlag / Soldgruppe 3

Nach einem Gesetzentwurf der Bundesregierung (Vierzehntes Gesetz zur Änderung des Wehrsoldgesetzes, Bundestagsdrucksache 13/9960 vom 17.2.1998) wird der Wehrsold vom 1.1.1999 an um eine DM angehoben. Dann gibt es kalendertäglich: Soldgruppe 1: 14,50 DM (Dienstantritt bis Ende 3. Monat); Soldgruppe 2: 16,00 DM (vierter bis sechster Monat); Soldgruppe 3: 17,50 DM (siebter Monat bis Dienstende).

Den Mobilitätszuschlag gibt es für die Zivildienstleistenden, die in einer Dienstunterkunft wohnen, wenn die Entfernung (Haustüt zu Haustür) zum bisherigen Wohnort 30 km (bisher 50 km) übersteigt. Ab dem 1.7.1998 gibt es kalendertäglich (auch im Urlaub) einen Zuschlag von 1 DM für eine Entfernung von 30 km bis 50 km, von 3 DM für eine Entfernung von mehr als 50 km bis 100 km, von 6 DM für eine Entfernung von mehr als 100 km.

Probleme gibt es nach wie vor bei der Gewährung der Soldgruppe 3 im Zivildienst durch grundsätzliche Ungleichbehandlung und durch Schikanen im Einzelfall. Während bei den Grundwehrdienstleistenden über 90% ab dem siebten Dienstmonat diese Soldgruppe erhalten, wird sie im Zivildienst nur bis zu 40% der Dienstleistenden zugestanden. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß hartneckiges Argumentieren zum Erfolg führt. Eine Argumentationshilfe für den Antrag und das Widerspruchsverfahren kann in der Zentralstelle KDV angefordert oder auf unserer Internetseite (http://www.dfg-vk.de/zentralstelle-kdv) nachgelesen werden.


4. Rühe gibt unabhängiger Justiz Weisung

Rechtsstaatlich skandalös ist die Einmischung des Verteidigungsministers in die Aufgaben der unabhängigen Justiz. Er hat mit Erlaß vom 18.2.1998 (PSZ III 6 - Az 24-09-10) erneut angeordnet, daß Straftäter, die dem Dienst fernbleiben oder Befehle verweigern, auf gut deutsch also totale Kriegsdienstverweigerer, die eine Gewissensentscheidung nach Artikel 4 Grundgesetz getroffen haben, erst dann aus der Bundeswehr entlassen werden dürfen, wenn sie zu mindestens sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden sind. Damit wird den Richtern das Strafmaß praktisch vorgegeben. Die für den Zivildienst zuständige Jugendministerin Claudia Nolte ordnete an, daß die Verlängerung des Dienstes sich auch in der Mindeststrafe niederschlagen muß. Bei Zivildienstverweigerern ist eine mindestens 10 monatige Gefängnisstrafe nötig, bevor entlassen wird. Damit sind Volker Rühe und Claudia Nolte gesinnungsmäßig dem Verteidigungsrat der DDR beigetreten. Dieser hatte damals auch der Justiz vorgegeben, wie die Mindeststrafe für Wehrdienstverweigerer auszusehen hat. Der Wortlaut des Erlasses wird als KID 68/X-g „Entlassung aus BW wegen Strafverurteilung" in den nächsten Tagen den Abonnenten unseres KDV-Informations-Dienstes (KID) übersandt. Er kann auch direkt bei uns bestellt werden.


5. Einberufungsermessen bei „Lebenälteren" eingeschränkt

„Lebensältere Wehrpflichtige" sind nach der Definition des Bundesministeriums der Verteidigung diejenigen, die über den 25. Geburtstag hinaus zurückgestellt waren und dadurch bis zu ihrem 28. Geburtstag einberufbar sind. Für diese Wehrpflichtigen ist geregelt, daß sie nach dem Ende der Zurückstellung nur zu den drei folgenden Haupteinberufungsterminen (der Beginn aller ungeraden Monate) einberufen werden dürfen. Uns wurde dazu in einem Schreiben einer Behörde folgendes Zitat übermittelt:

„Grundsätzlich steht den Wehrersatzbehörden für die Heranziehung eines Wehrpflichtigen der gesamte gesetzliche Zeitrahmen (in diesen Fällen bis zum 28. Geburtstag) zur Verfügung. Bei Lebensälteren kann es jedoch im Einzelfall unverhältnismäßig sein, wenn die Einberufung nicht im engen zeitlichen Rahmen zu dem Zeitpunkt erfolgt, zu dem der Wehrpflichtige (wieder) zur Verfügung steht und er die Verzögerung nicht zu vertreten hat. Diese Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist dahingehend umgesetzt, daß Lebensältere möglichst früh, spätestens jedoch zu dem auf den Wegfall des Zurückstellungsgrundes folgenden dritten (Haupt-) Einberufungstermin einberufen werden sollen. Macht der Wehrpflichtige bei einer Einberufung zu einem späteren Zeitpunkt eine Beschwer geltend, ist diese zu berücksichtigen, ggf. ist er nicht mehr einzuberufen."


6. Zivildienst und Auto-Kredite

Wer mit Schulden bei Kreditinstituten in den Wehrdienst/Zivildienst geht, kann normalerweise bei seiner Bank erreichen, daß die Rückzahlung des Kredites für die Dauer des Wehr-/Zivildienstes ausgesetzt wird. Die in dieser Zeit zu zahlenden Zinsen werden zum größten Teil vom Amt für Unterhaltssicherung übernommen.

Etwas anderes gilt bei Kreditinstituten, die den Kauf von Autos finanzieren. Hier ist eine Aussetzung der Ratenzahlung nur schwer zu erreichen. Die Banken geben dafür als Grund an, daß sie ihre Kunden immer nur für ein einmaliges Geschäft als Kunden gewinnen und als Sicherheit für den Kredit immer nur das Autos haben, das durch Zeitablauf schnell an Wert verliert.

Die Volkswagen-Bank ist bereit, die Raten für die Dauer des Dienstes auf einen Betrag von mindestens 100 DM, im Einzelfall wohl auch auf einen noch geringeren Betrag, zu reduzieren. Bedingung ist allerdings, daß die mögliche Maximalkreditzeit nicht überschritten wird. Unter Umständen kann diese Regelung bedeuten, daß die Raten nach dem Wehr-/Zivildienst höher werden. Die Stundungszinsen, die während der Dienstzeit entstehen, werden von der Unterhaltssicherungsbehörde übernommen.

Flexibel reagiert auch die Mercedes-Bank. Sie kann im Rahmen der Maximalkreditlaufzeit die Rückzahlung der Kreditraten auch aussetzen und damit den Wehr-/Zivildienstleistenden dem Dienstleistenden gleichstellen, der den Kredit bei einer normalen Bank aufgenommen hat. In diesem Fall übernimmt auch wieder die Unterhaltssicherungsbehörde die Stundungszinsen.

Völlig unflexibel zu Lasten der Wehr- und Zivildienstleistenden reagierten die von uns befragten Sachbearbeiter bei der Opel-Bank und Ford-Bank. Sie hätten keinerlei Spielraum und würden sich an diejenigen halten, die für den Kredit gebürgt haben. Damit geht der Wehr-/Zivildienst also zu Lasten Dritter, da Schulden grundsätzlich kein Zurückstellungsgrund sind.

Die Pressestelle der Ford-Bank teilte uns dazu allerdings mit:

„Kundenzufriedenheit steht im Mittelpunkt unserer Geschäftspolitik. Dies bedeutet für uns auch, unseren Kunden Änderungen im vertraglich vereinbarten Zahlungsplan zu ermöglichen, damit kurzfristig auftretende Probleme und Engpässe überbrückt werden können. Bei gegebener Bonität des Darlehensnehmers sind sowohl Ratensenkung als auch Ratenaussetzung denkbar."

Die Ford-Bank hat inzwischen wohl Kontakte mit dem Bundesministerium der Verteidigung aufgenommen, um sachgerechte und vernünftige Lösungen für ihre wehr- und zivildienstleistenden Kunden anbieten zu können.

Die Pressestelle der Opel-Bank teilte uns mit:

„Im Falle von Zahlungsstörungen haben wir grundsätzlich zwei Handlungstechniken: a) Der Finanzierungsvertrag wird in seiner Gesamtheit umgestellt. Wenn dieser Lösungsansatz kontraproduktiv zu Bedingungen des Unterhaltssicherungsgesetzes ist, dann werden Lösungen gefunden, die wirtschaftlich sinnvoll sind. Es wäre ja unternehmerisch unsinnig, den Kreditvertrag stützende Beihilfen nicht einzubauen. b) Der Kreditvertrag wird 90 Tage gestundet, d.h. die Laufzeit des Vertrages wird um drei Monate prolongiert."

Beide „Handlungstechniken" der Opel-Bank helfen beim Zivildienst nur unzureichend, zum einen dauert der Zivildienst nicht 90 Tage sondern 13 Monate, zum anderen gefährdet die Gesamtumstellung des Vertrages die Übernahme der Stundungszinsen durch die Unterhaltssicherungsbehörde, weil der Kreditvertrag dann bei Dienstbeginn nicht mindestens 12 Monate (Voraussetzung für Stundungszinszahlungen) besteht. Es bleibt zu hoffen, daß die Opel-Bank bei „wirtschaftlich sinnvollen Lösungen" auch die wirtschaftliche Situation des Zivildienstleistenden im Blick hat.

Fazit: Kredite zur Finanzierung von Kraftfahrzeugen sind im Zivildienst ein Problem. Zwar übernimmt die Unterhaltssicherungsbehörde auch für die Aussetzung der Rückzahlung dieser Kredite die Stundungszinsen, wenn der Kreditvertrag bei Dienstbeginn mindestens zwölf Monate besteht. Jedoch lassen sich die Kreditbanken - wenn überhaupt - auf die Stundung nur sehr unterschiedlich ein. Ein Gesichtspunkt für Verhandlungen über Stundungen ist im übrigen bei allen Banken, wie ein Kredit bisher bedient wurde. Wer schon längere Zeit pünktlich und vertragsgemäß Zinsen und Raten gezahlt hat, hat natürlich bessere Karten.


7. Essensgeldauszahlung im Fastenmonat Ramadan

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat dem Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages mit Schreiben vom 18.2.1998 (Az. ZD 1-45) in einem Petitionsverfahren mitgeteilt:

„Aufgrund der Eingabe des Petenten wird zukünftig für Zivildienstleistende muslimischen Glaubens während des Fastenmonats Ramadan eine Ausnahmeregelung getroffen. Das Bundesamt für den Zivildienst wird die Zivildienststellen anweisen, Zivildienstleistende muslimischen Glaubens für den Fastenmonat Ramadan auf Antrag des Zivildienstleistenden von der Teilnahme an der Gemeinschaftsverpflegung zu befreien und das Verpflegungsgeld auszuzahlen."


8. Krank aus dem Zivildienst entlassen

Wer krank aus dem Wehrdienst oder Zivildienst - zum regulären Ende oder vorzeitig - entlassen wird, ist normalerweise über die Krankenversicherung weiter versichert, bei der er vor dem Dienst Mitglied war. Wichtig ist, daß die Versicherung über den Dienstbeginn anhand der mit dem Einberufungsbescheid übersandten Schreiben informiert wird und erklärt wird, daß die Versicherung nach dem Ende des Wehr-/Zivildienstes wieder aufleben soll.

In wenigen Einzelfällen (wohl weniger als 500 bei 260.000 Entlassungen pro Jahr) ist es so, daß das Krankenversicherungsverhältnis während des Wehr-/Zivildienstes geendet hat. Wenn man wegen der Erkrankung nicht in eine neue Krankenversicherung aufgenommen wird, gilt in diesen Fällen folgendes:

„Sind Dienstleistende zum Entlassungszeitpunkt heilbehandlungsbedürftig ..., übernimmt das Versorgungsamt die Heilbehandlungskosten." (Sonderinformation 1/1998 des BAZ vom 20.1.1998) Das gilt nur für Erkrankungen, die zum Entlassungszeitpunkt bereits behandelt werden.

Wegen des Erreichens eines neuen Versicherungsschutzes und wegen evtl. nach dem Zivildienstende auftretenden Erkrankungen wenden sich die Betroffenen bitte direkt an das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 53107 Bonn, Tel.: 0228/930-2334 (Herr Hockwien).


9. Zivildienst-Zahlen Februar 1998

Das Bundesamt für den Zivildienst hat mit Stand vom 15.2.1998 über die Besetzung der Zivildienstplätze informiert. Die Dienstzeiten von zwei Zivildienstleistenden auf einem Zivildienstplatz dürfen sich um bis zu drei Monate überschneiden, um Urlaub auszugleichen, eine Einarbeitung zu gewährleisten etc. Aus diesem Grund ist die Zahl der Zivildienstleistenden immer höher als die Zahl der besetzten Zivildienstplätze. (Zahlen zur Kriegsdienstverweigerung finden Sie ebenfalls hier im Internet.)

Aufteilung der Zivildienstleistenden auf Tätigkeitsgruppen (Stand: 15.02.98)

Tätigkeitsgruppen Plätze in % belegte Plätze in % ZDL
01 Pflegehilfe und Betreuungsdienste 97.966 54,0% 68.352 69,8% 72.348
02 Handwerkliche Tätigkeiten 23.246 12,8% 18.561 79,8% 19.788
03 Gärtn. u. landwirtschaftl. Tätigkeiten 4.084 2,3% 3.036 74,3% 3.204
04 Kaufm.und Verwalungstätigkeiten 2.207 1,2% 1.184 53,6% 1.279
05 Versorgungstätigkeiten 9.184 5,1% 7.276 79,2% 7.827
06 Tätigkeiten im Umweltschutz 6.261 3,5% 4.970 79,4% 5.241
07 Kraftfahrdienste 2.823 1,6% 2.189 77,5% 2.361
08 Krankentransport und Rettungswesen 10.219 5,6% 6.807 66,6% 7.206
11 Mobile Soziale Hilfsdienste 16.131 8,9% 9.715 60,2% 10.092
19 Individ. Schwerstbehindertenbetreuung 7.711 4,3% 3.327 43,1% 3.439
45 ISB in integr. Kinder- und Jugendeinr. 1.369 0,8% 906 66,2% 933
98 Spitzensportler 192 0,1% 84 43,8% 84
Gesamt 181.393 100,0% 126.407 69,7% 133.802


Aufteilung der Zivildienstplätze auf Bundesländer (Stand: 15.02.98)



Bundesland Plätze in % belegte Plätze in %
Baden-Württemberg 28.306 15,6% 19.171 67,7%
Bayern 22.555 12,4% 17.104 75,8%
Berlin 5.124 2,8% 4.223 82,4%
Brandenburg 4.872 2,7% 3.655 75,0%
Bremen 2.133 1,2% 1.382 64,8%
Hamburg 4.013 2,2% 2.758 68,7%
Hessen 14.729 8,1% 9.615 65,3%
Mecklenburg-Vorpommern 2.922 1,6% 2.072 70,9%
Niedersachsen 15.002 8,3% 10.785 71,9%
Nordrhein-Westfalen 44.163 24,3% 28.191 63,8%
Rheinland-Pfalz 8.235 4,5% 4.968 60,3%
Saarland 2.332 1,3% 1.601 68,7%
Sachsen 11.038 6,1% 8.993 81,5%
Sachsen-Anhalt 4.383 2,4% 3.488 79,9%
Schleswig-Holstein 5.558 3,1% 3.784 68,1%
Thüringen 6.048 3,3% 4.617 76,3%
Summe 181.393 100,0% 126.407 69,7%

Nachdruck ohne Genehmigung nicht erlaubt
Einzelpreis 2,-- DM

 
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