8. Wer hat welchen Dienst geleistet?

Bei der Frage, wer welchen Dienst geleistet hat, kommt es wieder auf die Gesamtjahrgangsgröße an, die durch die erfassten Wehrpflichtigen angegeben wird.

Tabelle 15

Beim Geburtsjahrgang 1979 stellten die Männer, die Grundwehrdienst geleistet haben, noch ein Drittel des Jahrgangs. Etwa ein Drittel hat andere Dienste geleistet und ein Drittel hat keinen Dienst leisten müssen. Der Geburtsjahrgang 1983 scheint weitgehend die zukünftige Verteilung widerzuspiegeln, weil von diesem Jahrgang zwar noch etwas mehr, aber in etwa die Zahl zum Grundwehrdienst einberufen wurde, die auch zukünftig Wehrdienst leisten wird. 15 % leisten Grundwehrdienst, über 60 % müssen gar keinen Dienst mehr leisten. Die Mehrheit der Minderheit (40 %), die überhaupt in Dienste gebracht werden, leistet freiwillig andere Dienste oder wird - wie beim Zivildienst - zu diesen herangezogen.

Für die Geburtsjahrgänge 1970 bis 1975 galt zum 31.12.2000 - zu diesem Zeitpunkt war die Ausschöpfung dieser Jahrgänge weitgehend abgeschlossen - noch folgende Verteilung:

Tabelle 16

Damals leisteten knapp 40 % Wehrdienst, Männer ohne Dienst waren damals immer in der Minderheit - auch wenn sie schon ein Drittel des Jahrgangs stellten.

Diese Verteilung hat sich heute verändert. Grafisch dargestellt wird das besonders deutlich. Wer die zukünftige Entwicklung abschätzen will, kann sich an der Verteilung des Geburtsjahrgangs 1983 orientieren.

Schaubild 1

Ab Geburtsjahrgang 1982 haben mehr Wehrpflichtige Zivildienst als Grundwehrdienst geleistet. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Die Zahl der Grundwehrdienstleistenden pro Geburtsjahrgang wird sich bei jährlichen Einberufungen von gut 56.000 zwischen 50.000 und 60.000 einpendeln. Zum Zivildienst sollen aber weiterhin 90.000 Dienstpflichtige einberufen werden. Damit werden zukünftig gegenüber den Wehrdienstleistenden um die Hälfte mehr Zivildienst leisten. Damit wird der Zivildienst zum „Regeldienst" und der Wehrdienst zum „Ausnahmedienst"

Auch bei der Ausschöpfung der Verfügbaren für die jeweiligen Dienste werden die Kriegsdienstverweigerer erheblich stärker zur Dienstleistung herangezogen als die Wehrdienstpflichtigen. Die Größenverhältnisse werden mit dem folgenden Schaubild deutlich:

Schaubild 2

Die höheren Einberufungsquoten zum Zivildienst verstoßen gegen das Gleichbehandlungsgebot aus Artikel 3 Absatz 1 Grundgesetz und gegen das Diskriminierungsverbot nach den Artikeln 3 Absatz 3, 4 Absatz 1 und 12a Absatz 2 Grundgesetz. Schon mit ihrer Planung verstößt die Bundesregierung gegen das Diskriminierungsverbot, wenn 56.400 Wehrpflichtige (8) und 90.000 Zivildienstpflichtige (9) zum Dienst herangezogen werden sollen.

 

1 Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom 5.7.2005, Seite 6, Antwort auf Frage 4a.

2 Wehrpflichtige, die tatsächlich andere Dienste geleistet haben (andere Dienste statt Wehrdienst - Tabelle 9 oder Zivildienst und Ersatzdienste nach dem Zivildienstgesetz - Tabelle 13) Zivil- und Katastrophenschutz, Entwicklungsdienst, Polizei, Zeitsoldaten ohne vorherigen Grundwehrdienst, Zivildienst, Freiwilligendienste nach dem ZDG.

3 Wehrpflichtige, die keinen Dienst geleistet haben oder keinen Dienst leisten mussten (nicht gemusterte Wehrpflichtige, Untaugliche, Ausgeschlossene, Befreite, Freigestellte wegen unzumutbarer Härte und Unabkömmlichkeit, ohne Grund nicht einberufene Wehr-/Zivildienstpflichtige).

4 Tabelle entnommen aus Peter Tobiassen, Die Neuausrichtung der Bundeswehr und die Frage der Wehrgerechtigkeit, Bremen, Juli 2001, Seite 12, Internet: www.zentralstelle-kdv.de/wehrgerechtigkeit.doc

5 Zahlen entnommen aus Bundestagsdrucksache 14/5857, Seite 6 Tabelle 4a.

6 Zivil- und Katastrophenschutz, Entwicklungsdienst, Polizei, Zeitsoldaten ohne vorherigen Grundwehrdienst, Kriegsdienstverweigerer

7 Nicht gemusterte Wehrpflichtige, Untaugliche, Ausgeschlossene, Befreite, Freigestellte wegen unzumutbarer Härte und Unabkömmlichkeit, ohne Grund nicht einberufene Wehrpflichtige

8 Siehe Tabelle 17.

9 Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom 5.7.2005, Seite 21, Antwort auf Frage 15e.


 
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